Ausstellung 2017

BAU // KUNST

 

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Unternehmer seinen Firmensitz öffnet, um Kunst zu zeigen. Doch hier hat einer erkannt, dass seine weißen, klaren Wände und seine weiten Räume sich gut eignen, um Malerei und Plastik zu präsentieren. Ein Haus öffnet sich – nicht nur für Kunden, sondern für alle Kunstinteressierten. Und ist natürlich auch für die Belegschaft ein Anreiz, sich mit diesen Werken auseinanderzusetzen.

Die Arbeiten regen zur Diskussion an: und genau das hat Kurator Ulrich Schreiber gewollt. Die Menschen sollen über die Kunst reden, ins Gespräch kommen. Nicht nur die Betrachter, sondern auch die Künstler selber. Künstler, die oft seit Jahrzehnten in derselben Region wohnen, aber bisher kaum etwas miteinander zu tun haben. Ulrich Schreiber möchte den Austausch fördern, die Vernetzung. Auch die Kunstwerke interagieren, wirken miteinander und mit den Räumlichkeiten, in denen sie gezeigt werden.

Für die Ausstellung des Jahres 2017 hat Ulrich Schreiber nicht vier, sondern fünf Künstler ausgewählt. Zwei davon sind ein Paar und präsentieren ein gemeinsames Werk. Erstaunlich ist, dass man in den Arbeiten der hier ausgestellten Künstler durchaus einen Bezug zum Thema Architektur und der Frage, wie und wo wir leben, erkennen kann. Die beengten Bedingungen der Cage-People in Hongkong beschäftigen Lea Elisa Schäfer in einigen ihrer Werke. Joachim Kreyensiek widmet sich Stadtplänen, in denen er die moderne Großstadt mittels pastoser Ölfarbe in homogene Bildtafeln verwandelt. Angela Tonners plastisch wirkende Farbfelder, die sie mit selbst gefärbtem Japanpapier bezieht, verdanken ihr erstmaliges Entstehen einem die Künstlerin inspirierenden sehr alten Marmormosaikboden am Gardasee. Und Kubach+Kropps Steinskulpturen aus schwarzem schwedischem Granit wirken in einem entsprechenden architektonischen Umfeld besonders gut. Innen und Außen, Durchblicke, Licht und Schatten sowie handwerkliche Perfektion sind für ihre Arbeiten wichtig. Aber sie sind auch Zeichen guter Baukunst, wenn sie virtuos eingesetzt werden. Es zeigt sich: Architektur und Bauen, Bauen und Kunst – das passt gut zusammen. Hier bei Peter Karrié ebenso wie im wirklichen Leben.

Künstler

 

KUBACH & KROPP // STEINSKULPTUREN

Ihre Werke sind oft aus schwarzem Granit, Synonym für Homogenität und Schwere. Granit mit rostbrauner Kruste und rauen Bruchkanten. Oder poliert und geschliffen: In handwerklicher Perfektion werden die Oberflächen so bearbeitet, dass man meint, sie nicht nur optisch, sondern auch haptisch erschließen zu müssen. Man will sie anfassen. Beim Drüberstreichen fühlen sie sich glatt und weich an. Man kann ihnen Töne entlocken oder sie in Bewegung setzen. Das Spielerische gehört zur Rezeption der Werke von Kubach & Kropp dazu. Das Paar gestaltet, indem es entfernt. Nicht mit Hammer und Meißel wie die Alten Meister. Sie bedienen sich eines Bohrers - ein Rohr, mit Diamanten besetzt - der sich langsam in den Stein dreht. Das harte Material Granit wird mit noch härterem Material gebohrt: Diamant.

Mit dieser Methode erhalten sie Bohrkerne, die ihrerseits wieder zur Gestaltung verwendet werden. Sie sind nicht Reste eines künstlerischen Prozesses, sondern selbst künstlerisches Material, dessen spätere Verwendung a priori zum künstlerischen Plan gehört. Schwarzer Granit ist innen wie außen von gleicher Beschaffenheit, von der gleichen bleiernen Schwärze, die sich in einen Spiegel der Seele des Steines verwandelt, wenn man ihn poliert.

JOACHIM KREYENSIEK // MALEREI

Er bewegt sich im Spannungsverhältnis von Inhalt und Abstraktion. Dazu bezieht er sich auf Motivvorlagen wie Stadtkarten, Lötplatinen und Lochkarten, um Chiffren für unsere Gegenwart zu finden. Schon früh hat sich Joachim Kreyensiek intensiv mit Stadtplanung, moderner Urbanität und Alltagskultur beschäftigt.

Die moderne Welt, so komplex wie sie ist, scheint nicht mehr fassbar, ist dissonant. Joachim Kreyensiek, mit seinem Harmoniebedürfnis, zeigt sie uns in all ihrer Schönheit, aber auch Anfälligkeit für Störungen. Dazu malt er realisti- sche Bilder: Öl auf Leinwand in kleineren Formaten. Natur ist nur noch als Restnatur im architektonischen Kontext vorhanden. Vorgärten mit einem Baum und Straßenlaternen als moderne Attribute. Oft bedeckt mit Schnee. Schnee homogenisiert die Landschaft, glättet die Form: ein bescheidenes Glück, noch dazu kostenfrei. Die Magie eines unbe- wegten Augenblicks, in pastose Malerei gefasst.

LEA ELISA SCHÄFER // MALEREI

Ihr Weg führte sie von der figurativen Malerei zu formalen Rasterstrukturen: eine Reduktion auf Form und Farbe. Diese Entwicklung begann mit einem Foto der Cage-People in Hongkong. Ihr gesamtes Hab und Gut bringen die Bewohner in der Enge eines Käfigs unter. Hier leben, schlafen und essen sie. Es gibt weder Privatsphäre noch Rückzugsräume. Von dem formalen Motiv bleiben in Lea Elisa Schäfers künstlerischer Bearbeitung nur noch die Rasterstrukturen übrig. So benutzt sie Schablonen und Walzen, um zum Beispiel das Motiv eines Maschendrahtzauns aufzunehmen.

Viele Schichten werden übereinander aufgetragen und zum Teil wieder weggekratzt. In ihren Werken kombiniert Lea Elisa Schäfer grafische und malerische Techniken. Letztlich entscheidet ein gesteuerter Zufall über das Resultat. Das Spiel der Malerei wird auf einer gerasterten Fläche ausgetragen: Eine malerische Form betritt eine grafische, dekora- tive Fläche: Wo endet Malerei, wo beginnt Grafik?

ANGELA TONNER // BILDOBJEKTE

Ihre Arbeiten eröffnen einen Raum jenseits der Malerei. Es sind zweidimensionale Tafelbilder, die aber dreidimensi- onal wirken in ihrer perspektivischen Dynamik. Sperrholz oder MDF-Platten, mit einer Stichsäge in Form gebracht, werden von Angela Tonner mit selbst gefärbtem Japanpapier bezogen. Im Färbebad erhält es seine Farbe in einer weichen, gemaserten Textur bis zum gewünschten Sättigungsgrad. So entsteht eine wolkenartige Struktur, die sehr malerisch wirkt. Farbige Vierecke, die wie Friese oder Faltungen erscheinen und bisweilen an aufgeklappte Kartons erinnern, kennzeichnen ihr Werk. Farbe und Form begreift Angela Tonner als fundamentale Forschungsobjekte. Auch intensivere Farbigkeit wird durch ein strenges Raster von Raum- und Flächenkoordinaten gebändigt. Die konstruktive Strenge ihrer Farbfelder ist Malerei – mit anderen Mitteln.

Links

Flyer Ausstellung 2017