Ausstellung 2016

Eine Baufirma zeigt Kunst?

 

Der Bauunternehmer Peter Karrié und der Künstler Ulrich Schreiber haben im Sommer 2014 eine Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst ins Leben gerufen. Ort dafür ist der neue, architektonisch ambitionierte Firmensitz in Hechtsheim. Auf vier Büroetagen bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, Kunst zu präsentieren und sie in den Büroalltag zu integrieren. Zwei unterschiedliche Motivationen stehen hinter diesem ungewöhnlichen Ausstellungsprojekt. Peter Karrié geht es vor allem darum, seine Räume zu öffnen und neue Impulse in seine Arbeitswelt zu tragen. Ulrich Schreiber ist es wichtig, Kollegen aus der Kunstszene zusammenzubringen und gemeinsam ein Ausstellungskonzept zu entwickeln. Kunst bei Karrié bringt die unterschiedlichsten Menschen zusammen, deren gemeinsamer Nenner das Interesse an zeitgenössischer Kunst ist oder werden könnte.

Das Ausstellungsprojekt geht 2016 in die dritte Runde. Ulrich Schreiber hat vier Künstler ausgewählt, die sich mit dem Thema der Figur auseinandersetzen. Aber was hat die menschliche Figur mit Bauen zu tun? Bauen dient immer dem Menschen, sei es zur Repräsentation, zum Kult oder ganz elementar als Behausung. Die menschliche Figur ist bereits bei Vitruv, dem großen römischen Architekturtheoretiker, Maßstab zur Bestimmung von Proportionen in der Architektur. Hier in den Büros, wo täglich an der Umsetzung von architektonischen Entwürfen gearbeitet wird, nimmt diese Ausstellung die Frage in den Blick, für wen und zu welchem Zweck gebaut wird.

 

Künstler

 

CORA VOLZ // PLASTIK

Modelliert weibliche Porträts aus Ton und gießt sie an­schließend in Gips. Ihre Büsten stellen keine individuellen Porträts dar und gehen dennoch auf Frauen aus ihrem persönlichen Umfeld zurück. Streng und unnahbar wirken sie wie aus einer fernen, zeitlosen Welt. Cora Volz ver­bindet mit der Arbeit an ihren Figuren zwei Interessen: das plastische Modellieren und den Umgang mit Textilien. Sie fügt ihre Figuren aus Einzelteilen zusammen. Dieses Verfahren erlaubt ihr, Kopf und Rumpf mit elastischen Stoffen wie Strumpfhosen und Kunststoffgeweben zu be­spannen. Die Übergänge zwischen Textil und Gips werden zum haptischen und visuellen Erlebnis.

WALTER SCHEMBS // Skulptur

Modelliert Sein Element ist Holz. Als „klassischer“ Bildhauer arbeitet er seine Figuren aus dem Balken oder Block mit Querbeil und Kettensäge heraus. Das Maß des Holzes bestimmt da­bei Gestalt und Größe. Sein Markenzeichen ist die Stele. Die langstreckten Figuren wirken wie Wächter, die erwar­tungsvoll ihren Blick nach oben richten oder aufmerksam nach vorne blicken. Einzeln, als Paar oder in Gruppen kommunizieren sie mit dem Raum. Die raue, schrundige Oberfläche und die sparsamen Farbspuren lassen die Figu-ren lebendig werden. Mit der Materialität seiner Skulpturen treibt Walter Schembs ein verblüffendes Spiel. Die Figuren oben auf der Dachterrasse scheinen auf den ersten Blick aus Holz sind aber aus Bronze und trotzen damit Wind und Wetter.

BETTINA VAN HAAREN // MALEREI

Setzt sich in ihrer Malerei mit sich selbst auseinander. In ihren Bildern geht es um die Wahrnehmung des eigenen Körpers in Wechselbeziehung zu Dingen, die auf ihn ein­wirken. Das Einverleiben von Nahrungsmitteln und Gegen-ständen – als Aneignung der Welt – spielt eine große Rolle. Immer wiederkehrende Motive haben einen biogra-fischen Bezug. Bettina van Haaren kombiniert Organi­sches mit Artifiziellem. Eine ungewöhliche Bildsprache. Mit den Mitteln der Malerei macht sie unterschiedliche Texturen sinnlich erfahrbar. Die realistische Malweise einzelner Motive steht dabei im scheinbaren Widerspruch zur fragmentarischen Darstellung des eigenen Körpers. Große Bildflächen lässt sie weiß. Das gibt dem Betrachter den Freiraum im Kopf Beziehungen herzustellen.

OLIVER MÖST // FOTOGRAFIE

Setzt sich fotografisch mit der Welt auseinander und wählt dabei einen sehr subjektiven Blick: seine eigene Kurzsichtigkeit. In seine Kamera lässt er eine Linse ein­bauen, die seine eigene Sehschwäche simuliert. Auf diese Weise kann der Betrachter an seiner unscharfen Seherfahrung teilhaben. Klassische Aktfotografie wird damit zum schwebenden, zeitlosen Figur-Raum-Gefüge. Auch die Auswahl der Motive hat mit seiner eigenen Ge­schichte zu tun. In seiner Serie „Unser Kind“ verarbeitet er alte Kinderfotos von seiner Geburt bis zur Kommunion. Die Originalfotos hat er auf eine Milchglasscheibe proji­ziert und die Projektion fotografiert. Das Resultat ist ein besonderes Kolorit und eine Unschärfe, die die Grenze zwischen Malerei und Fotografie aufhebt.

Links

 

Flyer Ausstellung 2016