Ausstellung 2015

Peter Karrié // Ein Impuls mit klaren Absichten

 

Unser beruflicher Alltag prägt oftmals unser gesamtes Leben. Wir sind Experten in unserem Fachgebiet, und die Fülle an Aufgaben lässt nur wenig Raum für andere Dinge.

Was macht das mit uns? Unser Sichtfeld verengt sich mit der Zeit. Zuerst merken wir das überhaupt nicht. Aber wir bekommen keinen Impuls von aussen, niemand macht uns auf die Einschränkung des Blickfeldes aufmerksam. Wir haben Scheuklappen auf, die wir nicht mehr ablegen können - oder wollen, weil wir es uns nicht mehr trauen.

Die Sicht kann so weit eingeengt werden, dass selbst unser berufliches Fachgebiet auf einmal davon betroffen ist. Die Einschränkung unserer geistigen Flexibilität nimmt stetig zu und macht auch vor der Bereitschaft für Neuerungen, Varianten und Alternativen im beruflichen Alltag nicht halt.

Wie gehen wir damit um? Wir setzen einen Impuls. Wir lassen zwei konträre Welten aufeinander prallen und für einen gewissen Zeitraum wirken. Das nüchterne Arbeitsumfeld einer Baufirma wird zur Kunstaustellung. Hektik trifft auf Innehalten, Technisches auf Geistiges. Der Gegensatz dieser Welten beschäftigt die Mitarbeiter in unserem Büro ebenso wie die Besucher von „Kunst bei Karrié“und das Verstörende an dieser Situation soll im besten Fall dieser Impuls von aussen sein.

Man könnte nun sagen, dann komme es ja weniger darauf an, was man zeigt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Nur durch eine kompetente, homogene Auswahl und Präsentation der Kunst, kann sie eine ebenso gewichtige Rolle wie das sie umgebende Ambiente aus der Arbeitswelt bilden. Wenn „Kunst bei Karrié“ dieser Impuls sein kann, sind unsere Absichten erfüllt.

Künstler

 

Edgar Diehl // Farbreliefs

Seine raumgreifenden Farbreliefs auf gefaltetem Aluminium knüpfen in ihrer strengen Geometrie und ihrer schillerndenFarbigkeit an die Tradition der Op Art an.

Edgar Diehl befasst sich mit einem zentralen Thema der konkreten Kunst, mit der Wahrnehmung. Er arbeitet mit verschiedenen optischen Gesetzen, die seine Farbstreifen in Interaktion miteinander bringen. Die Faltungen seiner Bildträger unterstützen einen differenzierten Lichteinfall auf einzelne Teilflächen.

Ein und dieselbe Farbe kann auf diese Weise vollkommen unterschiedlich wirken. Die Vielansichtigkeit seiner Wandobjekte wird zur Herausforderung für die Wahrnehmung des Betrachters, der ungeahnte Entdeckungen machen kann.

(Dr. Gabriele Rasch)

Gerhard Nessler // Bronze- und Aluminiumgüsse

Tut nach eigener Aussage gar nichts. Er lässt einfach nur Abformen. Seine Leistung liegt vielmehr im Erkennen der gestalterischen Qualität von Verpackungsmaterial, zum Beispiel von banalem Styroporschutz für technische Geräte.

Die auf diese Weise gewonnenen Objekte aus Aluminium oder Bronze werden ihrer ehemaligen Funktion beraubt und einer neuen ästhetischen Bestimmung zugeführt. Gerhard Nessler spielt humorvoll mit der Dialektik von poveren und wertigen Materialien, von Sein und Schein. Seine Abformungen werden im Kontext der Baufirma zu Architekturmodellen von schnöden Reihenhaussiedlungen bis zur romantischen Ruine.

(Dr. Gabriele Rasch)

Katja von Puttkamer // Malerei

Setzt sich in ihrer Malerei mit gebauter Stadt auseinander. Die Vielfalt und Qualität von Rasterfassaden aus Betonfertigsteinen sind Ausgangspunkt für ihre malerische Arbeit. Für viele sind sie „scheußliche“ Relikte des Betonbrutalismus der 70er/80er Jahre. Zunehmend verschwinden sie aus dem Stadtbild und werden durch Neubauten ersetzt.

Katja von Puttkamer hält Fassaden, die Jahrzehnte lang das Gesicht der Städte geprägt haben, in ihrer Malerei fest und gewinnt ihnen eine neue malerische Qualität ab. Sie betreibt Artenschutz für vom Verschwinden bedrohte Architektur und lenkt damit den Blick auf städtebauliche und gesellschaftliche Phänomene und Veränderungen.

(Dr. Gabriele Rasch)

Ulrich Schreiber // Metallplastiken

Nimmt mit seinen Metallplastiken unmittelbar Bezug auf den Büroalltag in der Baufirma. Beiläufig verteilt er seine Aktenordner und Stühle auf den verschiedenen Etagen. Sie scheinen auf den ersten Blick im allgemeinen Bürointerieur unterzugehen. Genau das ist ihre Qualität. Denn sie spielen mit der Erwartung, die wir an diese Gegenstände haben, ohne sie konkret zu erfüllen. Sie bleiben Bilder, Zeichnungen aus Draht und Metall im Raum. Sie kommunizieren und kommentieren auf witzige Weise den Alltag im Büro. Ulrich Schreibers Objekte sind poetische Leicht- und Schwergewichte, die den Blick schärfen und auch mal zu neuen Aussichten auf der Dachterrasse verhelfen.

(Dr. Gabriele Rasch)

Links

 

Flyer Ausstellung 2015